Kiel (pm) -„Schleswig-Holstein ist und bleibt ein sicheres Land“, sagte Innenminister Stefan Studt. „Die Menschen können hier vergleichsweise sicher leben.“ Die Debatte um die sogenannte gefühlte Sicherheit nimmt der Innenminister sehr ernst. „Mir ist bewusst, dass einzelne schwere Straftaten oder auch bestimmte Serientaten die Öffentlichkeit aufrütteln und das allgemeine Unsicherheitsgefühl verstärken. Die Kriminalstatistik zeigt jedoch, dass die objektive Sicherheitslage weiterhin gut ist“, so Studt.

Die Zahl der Straftaten in Schleswig-Holstein ist 2015 gegenüber dem Vorjahr auf nahezu gleichem Niveau geblieben. Im Vergleich zu 2014 gab es in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS), die Innenminister Stefan Studt in Kiel vorstellte, einen Anstieg der registrierten Kriminalität um 0,1 Prozent auf insgesamt 202.598 Straftaten. Zu beachten ist, dass in Folge der verstärkten Zuwanderung von Flüchtlingen 2015 in Schleswig-Holstein allein 13.165 Straftaten gegen das Aufenthalts-, das Asylverfahrens- und das Freizügigkeitsgesetz/EU erfasst wurden. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 7.772 Straftaten. Dieses bedeutet eine Steigerung von 69,4 Prozent. Bei einer Betrachtung der Straftaten ohne diese Deliktsgruppe ist die registrierte Kriminalität 2015 um 2,6 Prozent rückläufig.

Fast überall rückläufige Zahlen - Immer weniger schwere Straftaten im Land

Die sogenannte Häufigkeitszahl (sie gibt an, wie stark die Bevölkerung eines Landes mit Kriminalität belastet ist), ist 2015 erneut gesunken. Rechnerisch entfielen auf jeweils 100.000 Einwohner 7.157 Fälle. Das sind 27 weniger als in 2014. Ohne die Verstöße gegen das Aufenthalts-, das Asylverfahrens- und das Freizügigkeitsgesetz/EU liegt die HZ in 2015 bei 6.692 Fällen – das sind 216 weniger als in 2014. Mehr als jede zweite Straftat wurde 2015 aufgeklärt: Die Aufklärungsquote stieg auf 52,1 Prozent – das sind 0,9 Prozent mehr als 2014.
                                                       
In nahezu allen Deliktsgruppen nahmen die Fallzahlen ab: In Schleswig-Holstein werden insbesondere immer weniger schwere Straftaten verübt. Die Gewaltkriminalität ist insgesamt um 5,6 Prozent gesunken. Bei den Rohheitsdelikten ist ein Rückgang um 5,3 Prozent zu verzeichnen, bei den Raubdelikten um 6,4 Prozent. Straftaten gegen das Leben (also Mord und Totschlag) sind um 16,5 Prozent zurückgegangen. Bei den Diebstählen war insgesamt ein Rückgang der Fallzahlen um 1,1 Prozent zu verzeichnen.

Anstieg der Fallzahlen beim Wohnungseinbruchdiebstahl

Eine negative Entwicklung gab es dagegen beim Wohnungseinbruchdiebstahl: 2015 war ein Anstieg um 12,3 Prozent auf 8.456 Fälle zu verzeichnen. Gleichzeitig ist die Aufklärungsquote von 12,6 Prozent auf 8,9 Prozent gesunken. „Der Wohnungseinbruchdiebstahl ist eines der Hauptprobleme im Land“, sagte Studt. „Die polizeiliche Einsatz- und Ermittlungsarbeit in diesem Bereich wird weiter intensiviert.“ Erste Erfolge sind bereits sichtbar: Nach Festnahmen und Inhaftierungen zweier großer Tätergruppen ist die Falleingangszahl gegenüber den Vorjahresmonaten insgesamt gesunken. Insbesondere im Kernbereich der strafrechtlich relevanten Aktivitäten beider Gruppen ist die Zahl der Wohnungseinbruchdiebstähle deutlich gesunken. Studt begrüßt es, dass die Bürger möglichen Einbrüchen durch entsprechende technische Schutzmaßnahmen noch stärker vorbeugen: „Wichtig ist aber auch, dass die Bürgerinnen und Bürger der Polizei helfen und auffällige Beobachtungen, die sie in ihrer Wohnumgebung machen, sofort über 110 melden. Eine aufmerksame Nachbarschaft ist zugleich ein guter Einbruchschutz.“

Mehr Tatverdächtige mit Migrationshintergrund

2015 wurden 3.681 Tatverdächtige (TV) mehr ermittelt als im Vorjahr (+4,9 Prozent). Die Anzahl der ermittelten nichtdeutschen Tatverdächtigen ist um 7.191 (40,9 Prozent) gestiegen. Davon ist insbesondere auch die Jugendkriminalität betroffen. Bei gleichbleibender Bevölkerungsentwicklung sind die ermittelten TV in der Altersgruppe unter 21 Jahren 2015 um 1325 auf 18.280 ermittelte Tatverdächtige wieder leicht angestiegen. Das sind 23,3 Prozent aller Tatverdächtigen (2014: 22,7 Prozent). 3.293 der insgesamt 18.280 TV unter 21 Jahren wurden dabei ausschließlich wegen einer Straftat gegen das Aufenthalts-, das Asylverfahrens- und das Freizügigkeitsgesetz/EU erfasst. Gemessen an den Jahren 2006 (29,4 Prozent) bis 2012 (24,7 Prozent) ist die Entwicklung im Bereich der Jugendkriminalität dennoch insgesamt positiv. Ein möglicher Erklärungsansatz dafür ist die erfolgreiche Umsetzung der Konzepte zur Bekämpfung der Jugendkriminalität und insbesondere der Kriminalität jugendlicher Intensivtäter.

Kriminalstatistik und Dunkelfeldstudie bilden einen starken Verbund

Studt unterstrich den grundsätzlichen Wert der PKS, relativierte jedoch ihre Aussagekraft. „Die PKS besitzt keinen Referenzstatus. Sie bildet nur einen Teil des sogenannten Hellfeldes ab. Die derzeitigen Erfassungsgrundsätze der PKS erlauben nur ein unvollständiges Bild der Kriminalität, die unsere Bevölkerung tatsächlich belastet“, sagte Studt. Nicht enthalten sind insbesondere Straftaten, die mittels Internet oder telefonisch aus dem Ausland heraus begangen wurden, weil Tatort nur eine politische Gemeinde in der Bundesrepublik sein kann und als Tatort im Sinne der PKS grundsätzlich der Ort der Tathandlung betrachtet wird. Gleiches gilt, wenn keine überprüfbaren Anhaltspunkte für ein Täterhandeln in der Bundesrepublik ermittelt werden konnten. Dennoch beeinträchtigen auch diese zahlreich angezeigten Taten das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung immens und verursachen einen enormen Ermittlungs- und Verwaltungsaufwand bei den Behörden. Um Erkenntnisse zum Dunkelfeld zu gewinnen, hat Schleswig-Holstein die erste Dunkelfeldstudie in seiner Geschichte durchgeführt. „PKS und Dunkelfeldstudie können im Verbund das schaffen, was der Bürgerinnen und Bürger des Landes erwarten und was auch meiner Erwartungshaltung entspricht: Sie zeichnen ein verlässliches und belastbares Bild der Kriminalitätsentwicklung im Land. Sie beschönigen nichts und sie verschweigen nichts“, sagte Studt.

Text: Ministerium für Inneres und Bundesangelegenheiten