Süderbrarup (ftb) – Die Jugendsozialarbeit in der Schleiregion profitiert aktuell von einem Programm des Bundes und des Europäischen Sozialfonds. Es steht unter dem Motto: „Jugend stärken im Quartier“. Der Kreis Schleswig - Flensburg hat sich um die Mittel beworben und darf nun mit rund 1,1 Millionen bis Ende 2018 ihre Jugendsozialarbeit voranbringen. „Es geht uns um die jungen Menschen, die von niemanden erreicht werden,“ berichtet Projektkoordinatorin Petra Klenke vom Jugendamt.

„Da der Kreis Schleswig - Flensburg ein Flächenkreis ist, haben wir aus dem gesamten Kreisgebiet die Standorte Süderbrarup, Schleswig und Kappeln gewählt“, erläutert Petra Klenke, „da in diesen Sozialräumen die Belastungsfaktoren besonders hoch sind.“ Die öffentlichen Institutionen setzen das Projekt mit freien Trägern um. Das ist zum einen in Süderbrarup die Jugend- und Familienhilfe von Claudia Thoms und die bequa (Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft mbH). In Kappeln und Schleswig werden die jungen Menschen vom Sozialforum Kappeln und der bequa betreut. „Wir unterstützen uns gegenseitig und arbeiten in trägerübergreifenden Teams. Die Zusammenarbeit ist ganz toll“, freut sich Petra Klenke.

Ein Projekt für die Stärkung der Jugendlichen ist in Süderbrarup schon umgesetzt worden. „Im Mikroprojekt in Süderbrarup wurden Jugendliche mit Schwierigkeiten und gefestigte Jugendliche zusammengebracht“, erzählt Jean-Claude Stutz von der Jugend- und Familienhilfe Claudia Thoms. Gemeinsam haben die Jugendlichen in den Herbstferien mobile Skaterrampen gebaut. Die „BMX Boardfreunde Süderbrarup“ möchten diese Rampen in Zukunft in einem Container direkt am Skaterplatz beim Bahnhof lagern. Dazu wird in der Gemeindevertretung noch beraten.

„Wir haben mit diesem Projekt eine junge Zielgruppe erreicht.“ Die meisten Jugendlichen sind zwischen 12 und 16 Jahre alt. „Sie sind dabei richtig gewachsen, eine tolle Geschichte.“ Gerade der mobile Skaterpark steht für einen offenen Treffpunkt. „Die Kontaktaufnahme kann hier ganz einfach sein und man kann immer wieder gehen, wenn man möchte“, berichtet Jean-Claude Stutz.

„In meiner Arbeit als Jugendsozialarbeiter begegneten mir junge Erwachsene, die einen schwierigen Weg hinter sich haben.“ Wenn sie möglicherweise in einem problematischen Elternhaus aufwachsen, Jugendhilfemaßnahmen scheitern und die Hilfe des Jugendamtes nicht greift, verlieren die Kinder und Jugendlichen ihren Halt. Gerade in der Übergangzeit von der Schule in den Beruf und in der Pubertät benötigen die Jugendlichen Unterstützung. „Wir erleben hier sogar obdachlose Jugendliche, wobei die Obdachlosigkeit nicht immer erkannt wird. Sie schlafen mal hier und mal dort“, erzählt Jean-Claude Stutz besorgt. Für machen Jugendliche unter 25 Jahren sind die bürokratischen Hürden beispielsweise Sozialhilfe oder eine Wohnung zu beantragen, unüberwindbar. Sie scheinen völlig frustriert und fühlen sich allein gelassen. Sie denken, mir hilft sowieso keiner und nun will ich mir auch nicht helfen lassen. „Man muss sie an die Hand nehmen“, sagt Jean-Claude Stutz und das, bevor sie in eine Schieflage geraten.

Jean-Claude Stutz sieht eine Lösung in der Haltung gegenüber den Jugendlichen. Nicht die Jugendlichen müssen auf die Hilfesysteme zukommen, sondern man muss auf sie zukommen. Mit dem Projekt „Jugend stärken“ haben wir die Möglichkeit, auf die Jugendlichen zuzukommen und sie anzusprechen. „Wir müssen nicht mehr um Gelder betteln“ um integrative Projekte umzusetzen, sagt Jean-Claude Stutz.

„Solche Projekte haben einen Mehrwert für das ganze Quartier“, betont Petra Klenke. In Schleswig und Kappeln planen sie ein „World-Café“, in dem sie gemeinsam der Frage nachgehen, was die Jugendlichen wollen, um deren Bedarfe zu ermitteln und um darauf eingehen zu können.

Jean-Claude Stutz bringt die Bedeutung des konstruktiven Ansatzes einer aktiven Jugendsozialarbeit auf den Punkt: „Wichtig ist, dass man den Jugendlichen das Gefühl gibt, dass sie nicht alleine sind und man gemeinsam eine Lösung für ihr Problem findet.“

 

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Die „BMX Boardfreunde Süderbrarup“ sind stolz auf ihre selbst gebauten Rampen, genauso wie Jean-Claude Stutz (2.v.r.). 

Foto: Claudia Thoms

 

Hintergrund

Mit "JUGEND STÄRKEN im Quartier" bündeln erstmalig zwei Bundesministerien Mittel des Europäischen Sozialfonds (ESF) in einem gemeinsamen Programm: Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) unterstützen in der aktuellen ESF-Förderperiode Angebote für junge Menschen zur Überwindung von sozialen Benachteiligungen und individuellen Beeinträchtigungen am Übergang von der Schule in den Beruf. Der Schwerpunkt liegt in den Gebieten der „Sozialen Stadt“ und vergleichbaren Brennpunkten.

Mit den drei methodischen Bausteinen des Case Managements (Einzelfallhilfe, Lotsenfunktion), der Aufsuchenden Jugendsozialarbeit und Mikroprojekten sollen die jungen Menschen erreicht und begleitet werden.

In der ersten Förderrunde 2015 bis 2018 setzen über 180 Modellkommunen Projekte zur Förderung junger Menschen im Alter von 12 bis 26 Jahren durch öffentliche und freie Träger im Bereich Jugendsozialarbeit um. Der Bund beteiligt sich hieran mit rund 115 Millionen Euro aus dem ESF und 5 Millionen Euro Bundesmitteln. Dadurch wird die kommunale Jugendsozialarbeit vor Ort entscheidend gestärkt.

Hintergrund: Auszug aus https://www.jugend-staerken.de/unsere-programme/jugend-staerken-im-quartier.html