Süderbrarup (ftb) – Auf den ersten Blick ahnt der Besucher nicht, was für historisch bedeutungsvolle Kulturstätten in Süderbrarup ruhen. Einzig ein archäologischer Rundweg um das bekannte Thorsberger Moor als heidnischer Opferplatz machen Gäste und Touristen aufmerksam. Süderbrarup hat aber noch mehr zu bieten. Ausgrabungen machten eine 2500 Jahre alte Steingrabstätte aus der Bronzezeit sichtbar. Die Angeln zogen von hier aus im 5. Jahrhundert nach Christus nach Britannien. Wikinger besetzten das Gebiet. Im Mittelalter sorgte die berühmt gewordene „Heilige Quelle“ für Pilgerströme in das Dorf. Aus der neuzeitlichen Geschichte dürfte der historische Angelner Hauptbahnhof in Süderbrarup am bekanntesten sein. Er diente als „Deekelsen-Bahnhof“ in der ZDFSerie „Der Landarzt“. 

Archäologische Ausgrabungen und Funde lassen auf eine lebendige Vergangenheit Süderbrarups schließen. „Man kann davon ausgehen, dass Süderbrarup ein heiliger Ort war“, erzählt Wolfang Warwel, 1. Vorsitzender des Museumsvereins Süderbrarup. Um diese Bedeutung an die Öffentlichkeit zu tragen, gründete Wolfgang Warwel im Jahre 2008 den Museumsverein Süderbrarup als gemeinnützigen Verein. „Als erstes Vorhaben erarbeiteten wir eine 16-seitige Broschüre mit Berichten über unsere historischen Stätte", erinnert sich Helmuth Lax, Pressewart des Museumsvereins Süderbrarup. Der Verein kooperiert mit Archäologen und Historikern und setzt sich bei den örtlichen politischen Gremien dafür ein, die besonderen Kulturgüter touristisch und wirtschaftlich zu nutzen.

„Unsere hochinteressante Geschichte hat in der örtlichen Bevölkerung, bei den Schulen und bei der Politik bisher leider immer noch einen sehr geringen Stellenwert", bedauert Helmuth Lax. Der 2. stellvertretende Bürgermeister Süderbrarups Johannes Jensen hingegen betont, dass die Gemeindevertreter in der jüngsten Vergangenheit die historisch bedeutsamen Kulturstätten Süderbrarups berücksichtigen. „Letztes Jahr wurde ein archäologischer Rundgang um das Thorsberger Moor angelegt, einer der bedeutsamsten Stätten unseres Ortes“, erzählt Johannes Jensen. Der politische Wunschgedanke der Gemeindevertreter sei ein touristisches Gesamtkonzept, das die anderen Kulturstätten und die Angelner Museumsbahn, die in Süderbrarup hält, inklusive Schiff- und Busverkehr einschließt. 

Eine zukünftige touristische Erschließung könnte den Besucher an folgende historisch bedeutsame und geheimnisvolle Orte führen: 

"Kummerhy"
Westlich des Thorsberger Moors ist die Grabstelle „Kummerhy“ erhalten. Sie stammt aus der späten Bronzezeit um 650-500 Jahre vor Christus. Das Grab besteht aus einem mächtigen Wächterstein und einem Steinkreis, in dessen Mitte sich eine Steinkiste befindet. In dieser wurden menschliche Überreste und Grabbeilagen gefunden. Auch die Wikinger nutzten diesen Platz als Grab. 

 

"Thorsberger Moor"
Heute zeigt ein beschilderter Rundweg um das "Thorsberger Moor"die historische Bedeutung des altertümlichen Opferplatzes. Im Zeitraum vom 1. Jahrhundert vor Christus bis zum frühen 5. Jahrhundert nach Christus, aber auch davor, wurden von dem Volk der Angeln in mehreren Phasen Gegenstände geopfert. Ausgrabungen brachten viel Wertvolles zum Vorschein: Holz- und Keramikgefäße, landwirtschaftliche Geräte, Kriegsbeute und Ausrüstungen germanischer Krieger, wie Waffen, Schmuck, Münzen und aufwendig gearbeitetes Pferdegeschirr. Sogar textile Kleidungsstücke konnten wohlbehalten aus dem Moor geborgen werden. Einzelne Fundstücke weisen auf Auseinandersetzungen mit Römern hin. Das" Thorsberger Moor" gehört zu den bedeutendsten Fundplätzen dieser Zeit in ganz Nordeuropa. Die Fundstücke sind im Archäologischen Landesmuseum in Schleswig ausgestellt. Auch der Museumsverein Süderbrarup sucht ein Gebäude oder Räume, welches als Museum für die Ausstellung von Fundstücken und für die Ausstellung von Reproduktionen dienen soll, die der Museumsverein für die" Angelner Thosberg-Festspiele" angefertigt hat.


 

"Heilige Quelle"
Das Wasser der „Heiligen Quelle“ war schon in heidnischer Zeit, ein Anziehungspunkt vieler Pilger. An den späteren Jakobi Tagen, die immer auf das letzte Wochenende im Juli fallen, pilgerten die Menschen an diesen Heilungsort, um das Quellwasser zu trinken oder sich mit ihm zu waschen, in der Hoffnung, von allerlei Gebrechen befreit zu werden. Auch Taufen fanden noch bis ins 20. Jahrhundert statt. Selbst der Pressewart des Museumsvereins Süderbrarup Helmuth Lax wurde noch mit dem Wasser getauft.

"Der amtliche Beweis, dass die Quelle Heilwirkstoffe enthielt, wurde im Jahre 1942 von der Außenstelle des Kaiser-Wilhelm Institutes für Biophysik in Frankfurt a.M. schriftlich bestätigt und liegt im Original der Gemeinde vor", berichtet Wolfgang Warwel. Dieses amtliche Ergebnis wies noch im Jahre 1942 eindeutig einen erhöhten Radiumgehalt aus. Heute fliest an einer unteren Ablaufstelle nur noch Oberflächenwasser heraus. Wolfgang Warwel ist sich nach Prüfung der Lagebestimmung sicher, die Quelle wiederzufinden. Daher ist es das nächste Ziel des Museumsvereins die Quelle wieder zum Laufen zu bringen, um diese für den Tourismus, die Wirtschaft und die Menschen der Region nutzbar zu machen. Dazu ist es nötig, dass ein Förderverein gegründet wird, wo finanzielle Mittel eingeworben werden können. Das Vorhaben, die alte Quelle auf künstlichem Weg wieder zum Fließen zu bringen, wird in den politischen Gremien zwiespältig gesehen, berichtet Johannes Jensen. 

Die „Heilige Quelle“ zog im Mittelalter viele Besucher und Wallfahrer an. Die Wallfahrer zogen wiederum Händler nach sich, woraus der „Brarup-Markt“ entstanden ist, der noch heute als großes Volksfest gefeiert wird. In den 60ger Jahren wurde auf dem Platz von Archäologen ein riesiger Urnenfriedhof entdeckt, was die Theorie von Wolfgang Warwel untermauert, das ganz Süderbrarup ein heiliger Ort war.   

 

Angeln-Großbritannien
Der germanische Volksstamm der Angeln wanderte ab 449 nach Christus auf die Britischen Inseln ab. Diese siedelten sich im Südosten der Insel an. Die Heerführer Hengist und Horsa zogen mit drei Langschiffen und dreihundert Kriegern in das unbekannte Land und besiedelten es. Fundstücke und Ortsnamen beweisen dies. Die Angeln gaben Britannien ihren Namen England gleich Angelnland. Der Museumsverein Süderbrarup arbeitet mit dänischen und englischen Historikern, Archäologen und Kulturinteressierten zusammen. Gemeinsam arbeiten sie die bedeutsame Vergangenheit auf.
 
Der Museumsverein Süderbrarup ist auch der Veranstalter und Träger der „Angelner Thorsberg-Festspiele", die von Wolfgang Warwel nach über 30 jähriger Heimatforschung und der Erstellung des Schauspieles „Die Abwanderung der Angeln“ im Jahre 2008 ins Leben gerufen wurden. Diese Festspiele fanden erstmals im Jahre 2012 statt und werden alle zwei Jahre durchgeführt. Im Jahre 2014 sogar mit englischer Beteiligung. Diese Spiele finden bisher immer im Bürgerpark der Gemeinde statt, verbunden mit einem großen germanischen Dorflager. In dem Festspiel wird die Verabschiedung der Angeln an ihrem Heiligtum, dem Thorsberger Moor, gezeigt. Dargestellt wird das Ritual einer Waffenopferung aus Anlass der Abwanderung nach England.  Der legendäre König Offa, die Königin Thryd und deren Heerführer Hengist und Horsa zeigen den Fürsten, Priestern und Gefolge den Weg nach Britannien. 2016 wird es die "3. Angelner Thorsberg-Festspiele" geben.