Unewatt (ftb) – Genau zum passenden Zeitpunkt stiftet Günther Fielmann dem Landschaftsmuseum in Unewatt eine alte Bodenstanduhr aus Angeln. „Ich habe sie zufällig auf einer Auktion in Kopenhagen gefunden“, erzählte Jürgen Ostwald von der Fielmann Stiftung glücklich. Nach kurzer Rücksprache mit dem Museum wurde die Uhr ersteigert. „Ich fand, die Uhr gehört hier her,“ freute er sich.

Inga Latendorf, Leiterin des Landschaftsmuseums Angeln, machte sich mit ihrer Mitarbeiter Karin Precht und dem FSJler John-Luc mit einem kleinen Transporter auf den Weg nach Kopenhagen, um die Uhr abzuholen. „Ohne Wenden zu müssen, haben wir das geschafft und haben die Uhr in Empfang genommen“, lachten alle Drei, die viel Spaß bei ihrer Reise hatten. Sönke Peters von der Fielmann AG freute sich, die Uhr nun offiziell an das Museum übergeben zu dürfen.

„Der Zeitpunkt ist perfekt“, strahlte Dirk Wenzel, Leiter der Kulturstiftung Schleswig-Flensburg. „Zurzeit wird die neu erworbene Christesen-Scheune des Landschaftsmuseums aufgearbeitet, in der die Uhr dann dort die Zeit takten wird“. In der Scheune werden historische Stücke ausgestellt, die Bestandteil der Mobiliarausstattung des Christesen-Hauses waren. Die Uhr als Repräsentationsmöbel aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts spiegelt die bäuerliche Wohnkultur wieder und macht so die damalige Lebensweise erfahrbar.

Die Bodenstanduhr wurde vom Uhrmacher Claus Suder angefertigt. Er war als Uhrmacher in Nieby bei Gelting tätig. Im 18. und 19. Jahrhundert wirkten die Uhrmacherfamilien Suder und Schmidt in Gelting. Über mehrere Generationen stellten sie zahlreiche Standuhren her, von denen einige noch erhalten sind. Meister Suder baute Uhren mit einer Laufdauer von einem und auch acht Tagen. Die Uhr im Museum in Unewatt hat ein Achttagewerk mit Datumsanzeige. Suder hat auch Standuhren mit Mondanzeige geschaffen.

„Mit Feuereifer und Begeisterung hat Uhrenmachermeister Helmut Tüxen die Uhr aufgestellt“, erzählt Inga Latendorf. Helmut Tüxen entstammt einer der ältesten Uhrenmacherdynastien in Angeln. 1713 tauchte erstmals nachweislich ein Uhrenmachersohn in der Familie auf. Dem 300-jährigem Jubiläum der Familie wurde 2013 sogar eine Ausstellung gewidmet. Die Ausstellung „So geht die Zeit zur Ewigkeit“ im Volkskunde Museum der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf zeigte die Entwicklung der regionalen Uhrenproduktion in Angeln. Uhrmachermeister Helmut Tüxen widmet sich der Instandhaltung alter Uhren. Sein Sohn führt die Tradition der Familie fort und besucht derzeit eine Uhrenmacherschule.

Nun dürfen sich die Besucher des Landschaftsmuseums Angeln an dem Klang des Uhrenschlages zur vollen Stunde erfreuen und müssen sich nicht mehr nach dem Stand der Sonne richten, um zu wissen, welche Stunde geschlagen hat.

 

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Foto: John-Luc P., JL Mediendesigner

Uhrenmachermeister Helmut Tüxen inspiziert die Uhr.

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Foto: John-Luc P., JL Mediendesigner

 

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Foto: John-Luc P., JL Mediendesigner

 

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Dirk Wenzel (Leiter der Kulturstiftung Schleswig-Flensburg), Inga Latendorf (Leiterin des Landschaftsmuseums Angeln) und Sönke Peters (Fielmann AG) vor der neuen Errungenschaft.