Bönstrup (dc) - Temperaturen um die 30° Grad an einem Freitagnachmittag im Juli. Die Luft steht. Das Gelände rund um den Dorfplatz im Ortsteil Bönstrup der Gemeinde Grundhof war weitläufig mit Flatterband abgesperrt. Inmitten des Geschehen: Die Landjugend Grundhof und „ihr“ Bürgermeister Bernd Wunder. Der Grund dafür war schnell gefunden. Aus dem Ort der Begegnung sollte für die nächsten 50 Stunden ein „Tatort“ werden. Die Landjugend Grundhof hat mit ihrem Bürgermeister gewettet, dass sie es schaffen, in nur 50 Stunden den Dorfplatz mit dazugehörigem Spielplatz auf Vordermann zu bringen und ein Stück Schweden nach Angeln zu holen. Auslöser war die vom Bundesverband der Landjugend (BDL) ausgerufene Aktion „Jugend.macht.Land“, die in ganz Deutschland Landjugendgruppen motiviert, sich tatkräftig sich für ihren Ort und die Region einzusetzen.

Der Bürgermeister ging auf die Wette ein und gab um 15:00 Uhr den Startschuss für die 50 Stunden-Aktion. Danach ging es Schlag auf Schlag. Material wurde herangeschafft, dass Feuerwehrhaus wurde kurzfristig zum Nacht-/Küchen- und Besprechungsraum umfunktioniert und der Dorfplatz wurde von einer immer größer werdenden Anzahl von Landjugendlichen „besetzt“. Erste Hammerschläge, Motorsensen und Heckenscheren verkündeten auch dem letzten Anwohner, dass irgendetwas Großes in Bönstrup passieren wird. Plötzlich verstummte am Abend die Geräuschkulisse. Eine kühle und erfrischende Gerstensaftspende durch den  örtlichen Gastwirten läutete den Feierabend mit gemütlichen Ausklang ein.

Am darauffolgenden Samstag wurde nach einem ausgiebigen Frühstück in die Hände gespuckt. Tatkräftig ging es an die gestellten Aufgaben. Es wurde gehämmert, gebohrt, Holz gesägt, alte Farbe abgeschliffen, Holzschutzfarbe aufgetragen und ein Hochdruckreiniger machte immer wieder zwischendurch Lärm. Zur Mittagszeit kletterten die Temperaturen ins unerträgliche und die Selter-Bestände neigten sich deutlich dem Ende entgegen. Eine Zwangspause wurde eingelegt, damit sich jeder zur Mittagszeit in der nahen Ostsee abkühlen und erholen konnte. In der Nachbarschaft verbreiteten sich verführerische Gerüche aus der Küche.

Die Küchenmannschaft nutze den Nachmittag, um alle Getränkereserven wieder aufzufüllen und das Essen für den Abend zu planen. Sichtlich erholt vom Strandbesuch ging es dann für alle Laju´s wieder an die Arbeit. Noch bis in die Abendstunden wurde von allen tatkräftig anpackt und das eine oder andere gesetzte Ziel rückte in greifbare Nähe.

Die letzten 17 Stunden brachen mit durchschreiten der Datumsgrenze auf Sonntag an. Norddeutsch gelassen gingen die letzten LaJu´s morgens um 4 Uhr ins Bett, um anschließend gegen 8 Uhr wieder geweckt zu werden. Die Grundhofer Gruppendynamik macht vor niemanden halt. Manch einer vollbrachte mit viel zu wenig Schlaf wahre Meisterwerke in den kommenden Stunden. Schließlich tickte die Wettuhr unaufhörlich Ihrem Ziel entgegen.

Mit hissen der Gemeindefahne am frisch gestrichenen Fahnenmast klingelte gegen 16 Uhr beim Bürgermeister das Handy. Merkbar überrascht informierte die Landjugendgruppe ihren Wettpartner, dass die Aufgabe eine Stunde vor Ablauf der 50 Stunden geschafft wurde. In den darauffolgenden 60 Minuten wurde eifrig aufgeräumt, der Grill angeheizt und alles für die offizielle Übergabe der Wette zu 17:00 Uhr vorbereitet. Gemeindevertreter, Nachbarn und Freunde fanden sich nach und nach ein.

Voller Stolz übergab die Landjugend Grundhof den Dorf- Spielplatz wieder in die Hand des Bürgermeisters. Für jeden sichtbar ist in den vergangenen 49 Stunden einiges passiert, und aus dem „Tatort“ ist ein Ort der Taten geworden. Die bis dato unansehnliche und mit Graffiti verschmierte Spielhütte erstrahlt von nun an in den typischen Farben schwedischer Häuser. Zwei nagelneue überdachte Sitzbänke, ein Natursteingrill und der instand gesetzte Dorfbrunnen ließen die Gesichter der Gemeindevertreter und Nachbarn erstrahlen. Der Bolzplatz wurde mit einem überdimensionierten und von einem Traktor angetriebenen Rechen wieder in Schuss gebracht. Die massiven Metall- und Holzspielgeräte aus den 70er Jahren können fortan in neuen Farben von den Kids erobert werden. Und selbst die Seilbahn hat wieder genug Spannung auf dem Seil, um auch größere „Kinder“ zu befördern.

Der Bürgermeister dankte in seiner abschließenden Rede der Landjugend für Ihren tollen Einsatz und lud alle Beteiligten zum gemeinsamen Grillen ein. „Wo Ihr seid, wird auch angepackt. Wir sind stolz auf Euch“, so Bernd Wunder. Im gleichen Atemzug erklärte der Bürgermeister unter Applaus der anwesenden Gäste und LaJu´s, dass die Gemeinde die angefallen Kosten für die Lebensmittel komplett übernehmen  wird. Und auch die Landjugendkasse darf sich über eine großzügige Spende freuen.

Der erste Vorsitzende der LJG Grundhof - Malte Brix - dankte ebenfalls allen für die beispiellose Beteiligung. Mit viel Schweiß, einer großen Portion Spaß und einigen Anstrengungen konnte die diesjährige 50-Stunden-Aktion unter Bestzeit beendet werden. Versüßt wurde das Wochenende auch durch diverse Spenden aus der Nachbarschaft. Über gekühltes Bier, frischen und gezuckerten Erdbeeren und natürlich im Munde zerlaufendes Eis halfen dabei, die heißen Außentemperaturen zu vergessen.

Nicht vergessen wurde aber der Wetteinsatz. Da die Jugend.Macht.Land-Aktion innerhalb von 49-Stunden von der LJG Grundhof erfolgreich erledigt wurde, erklärte sich der Bürgermeister Bernd Wunder bereit, beim diesjährigen Scheunenfest am 12. September den Bierausschank für 2 Stunden zu übernehmen.

Abschließend lag ein Wochenende hinter der Landjugendgruppe, von dem alle Beteiligten nur positiv profitieren konnten. Der selbstgewählte Wahlspruch der Landjugend Grundhof „Hand in Hand fürs Land - Gemeinsam stark!“ bestätigte sich auch in diesem Jahr erneut und lässt die Gruppe hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.

1 Starke Partner800

 Aktions-T-Shirt des Bund der Landjugend mit Sponsoren

 

2 1 Bankbau800

Erste Arbeiten für die neuen Bänke

 

2 Arbeiten am Dach800

Das Dach wird durch Nils Nissen (links) und Tim Mehlert (rechts) in Form gebracht

 

3 Dach Baenke800

Augenmaß beim Dachüberstand

 

4 Grill800

Malte Jürgensen beim neuen Natursteingrill

 

5 Spass zwischendurch800

Thomas Brogmus (links) und Jens Schmelcher (rechts) nutzen die freie Zeit

 

6 Spielhaus unfertig800

Philipp Wulf zeigt, wo noch Farbe fehlt

 

7 Spielhaus fast fertig800

Das Schwedenhaus kurz vor seiner Vollendung

 

7 Abkuehlung Springbrunnen800

Der saubere Springbrunnen kühlt die Landjugendlichen

 

8 1 letzte Arbeiten800

Die beiden neuen überdachten Sitzbänke mit einer alten gereinigten Sitzbank im Vordergrund

8 Abschlussbild nah800

Die Akteure der Landjugend vor ihrem Werk

 

10 Uebergabe an Buergermeister800

 Der Vorsitzende Malte Brix (mitte - Links) übergibt den Dorfplatz

Text/Foto: Dirk Christiansen