Kiel (ftb/pm) - Nach einem spannenden Wettbewerb wurden gestern in Kiel die Bürgerpreise für Schleswig-Holstein 2014 für herausragendes ehrenamtliches Engagement vergeben. Landtagspräsident Klaus Schlie, der Vorsitzende des Sozialausschusses des Landtages, Peter Eichstädt, und Reinhard Boll, Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes für Schleswig-Holstein, ehrten die Nominierten und Preisträger mit Geld- und Sachpreisen. Unter dem Motto „Vielfalt fördern - Gemeinschaft leben!“ richtete sich der Wettbewerb an engagierte Bürgerinnen und Bürger oder vorbildliche Projekte, die sich für Integration und Inklusion der verschiedensten Gruppen einsetzen und sich für Teilhabe, Toleranz und Akzeptanz stark machen. „Der Bürgerpreis ist eine Erfolgsgeschichte. Er zeigt seit vielen Jahren, dass unsere Gesellschaft zusammenhält. Die Preisträger stehen für all die vielen Menschen in unserem Land, die jeden Tag Gutes tun. Ich bin stolz auf Schleswig-Holstein", sagte Klaus Schlie bei der Übergabe der Preise.

Das nominierte Kappelner Projekt „Alt für Jung“ lief in der Kategorie „Alltagshelden“ und erhielt 500 Euro Preisgeld. Es steht für generationsübergreifende Nachbarschaftshilfe. Ältere Menschen helfen mit ihrer Lebenserfahrung und Zeit den jungen Menschen. Sie treten als geduldige Lesepaten an der Kappelner Grundschule auf. Sie bereiten den Kindern spannende Vorlesestunden in gemütlicher Atmosphäre unter dem Motto „Leih Dir eine Lese-Oma“. Sie engagierten sich beim Eltern-Café in der Kita. Die „Alltagshelden“ bieten kostenlose Deutsch-Nachhilfestunden für Migranten jedes Alters an. „Sie haben schon so manchen durch die Schule und den Schulabschluss gebracht“, weiß die ehrenamtliche Koordinatorin Claudia Niklas-Reeps zu berichten. Auch als Leihoma waren schon vier Frauen in verschiedenen Familien aktiv. Eine ist immer noch in einer Familie als Leihoma tätig.
Zurzeit engagieren sich zwölf ehrenamtliche Helfende in Kappeln für das Projekt, elf Frauen und ein Mann. „Es ist ein schönes Projekt mit einer tollen Mischung an Angeboten“, freut sich Claudia Niklas Reeps. Entwickelt hat dieses Projekt die Evangelische Familienbildungsstätte Kappeln. Es startete im Jahr 2007. Anfangs wurde es durch sogenannte LOS-Mittel finanziert, Lokales Kapital für soziale Zwecke. Die Stadt Kappeln und die Evangelische Familienbildungsstätte Kappeln als Träger unterstützen das Projekt wo sie nur können. Sie stellen Räume zur Verfügung und sind offen für jedwede Hilfestellung. Zudem werben sie aktiv für das Projekt. „Dies ist wichtig, da nur durch den Bekanntheitsgrad die Hemmschwelle für Anfragen sinkt“, so Claudia Niklas-Reeps. „Dieses Projekt ist nachhaltig und aus unserem vielfältigen Angebot nicht mehr wegzudenken“, ergänzt Antje Schümann, Leiterin der Familienbildungsstätte.

„Wir haben heute zwar nicht den 1.Platz gemacht aber 500 Euro und viel Anerkennung gewonnen“, freut sich Claudia Niklas-Reeps nach der Veranstaltung. Die ausgezeichneten „Alltagshelden“ waren sichtlich gerührt. Sie äußerten sich äußerst positiv über den Austausch mit den anderen Gruppen.

Musikalisch begleitet wurde die Preisverleihung vom Chor „Nordlicht“ der jüdischen Gemeinde Kiel und der Jugendtanzgruppe des "Carneval-Club Stadtgarde Neumünster". Beide Gruppen kommen aus Projekten, die in diesem Jahr für den Bürgerpreis nominiert waren. Moderiert wurde die Verleihung von Christopher Scheffelmeier vom NDR.
Die insgesamt zehn nominierten Projekte und Einzelpersonen wurden zunächst in einem Kurzfilm vorgestellt, bevor die Preisträger des Wettbewerbs 2014 verkündet wurden: Die Initiative „alleineinboot“ aus Bad Segeberg (Kategorie „U 21“), die sich für interkulturellen Austausch und Integration in der Region Bad Segeberg einsetzt, die Bürgerinitiative „Glinde gegen rechts“ (Kategorie „Alltagshelden“), die sich aktiv gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus stark macht und sich gleichzeitig für Flüchtlinge und Integration engagiert und Egon Mordhorst (Kategorie „Lebenswerk“), der sich seit fast 30 Jahren für die Gleichstellung und Inklusion homosexueller und transsexueller Menschen einsetzt. Die Gewinner durften sich jeweils über 3.000 Euro Preisgeld und über ein Exemplar des von ihnen erstellten Filmportraits freuen. Alle Nominierten erhielten das Filmportrait und ein Preisgeld von jeweils 500 Euro, welches für investive Zwecke für die weitere ehrenamtliche Arbeit genutzt werden kann. „Die Preisträger und Nominierten zeichnen sich durch ihren überdurchschnittlichen Einsatz aus, mit dem sie vieles bewirkt haben und in Zukunft bewirken können. Mit dem Deutschen Bürgerpreis für Schleswig-Holstein wollen wir unsere besondere Anerkennung ihrer Arbeit ausdrücken", sagte Reinhard Boll. Er würdigte die Vielfalt der 96 eingegangenen Bewerbungen als Beleg für das eindrucksvolle und vorbildliche Engagement in Schleswig-Holstein.
„Der Deutsche Bürgerpreis ist jedes Jahr wieder eine der besten Gelegenheiten, sich bei denen zu bedanken, die sich mit großem Einsatz selbstlos für andere einsetzen. Dafür gilt mein ganz persönlicher Dank", erklärte Peter Eichstädt am Abend der Preisverleihung.

Ute Ruchay, Mella Crawshaw; Dorette Jaroschek ( hinten); Claudia Niklas-Reeps; Renate Kowol; Friederike Engel, Erika Hummel und Margit Ravn, Foto: Antje Schümann

Textauszüge: Pressemitteilung des Landtages Schleswig-Holsteins