Flensburg (pm) - Heinrich Sauermann (1842-1904) lebte und wirkte in Flensburg als Sattlermeister, Möbelfabrikant, Direktor der Werkstattschule und Museumsdirektor. „Menschen, die Geschichten schrieben“: unter dem Motto des diesjährigen Weltgästeführertages bietet Dörte Hansen Stadtführungen auf den Spuren von Heinrich Sauermann an.

Startpunkt der Führung ist das Wohnhaus Heinrich Sauermanns im Südergraben 47. Die Villa wurde 1884 für Heinrich Sauermann und seine Familie erbaut. Bei einem Blick in die Eingangshalle erklärt Dörte Hansen Details zur liebevoll gefertigten Treppe: „Das Geländer ist mit gedrechselten Elementen von Sauermanns Bruder Moritz versehen, daneben zeigen sich fein ausgearbeitete Holzschnitzereien Sauermanns – die beiden haben sich mit gemeinsam mit den Initialen HMS verewigt.“ Das dreigeschossige Gebäude direkt neben dem Sauermann’schen Wohnhaus wurde ebenfalls in seinem Auftrag im Jahr 1890 errichtet: für die von ihm gegründete, erste Werkstattschule Preußens, der staatlich unterstützten Fachschule für Kunsttischler und Bildschnitzer, zu deren Direktor er 1891 ernannt wurde. Dahinter befindet sich die 1873 gegründete Möbelfabrik, in der auch schon Emil Hansen (später Emil Nolde) seine Lehrjahre 1884-88 verbrachte. Wenige Schritte weiter und eine Anhöhe hinauf, lässt sich das Gebäudeensemble von dem Rondell vor dem Gericht aus einer anderen Perspektive betrachten. Im Gerichtsgebäude selbst, das 1882 erbaut wurde, befinden sich im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Kerbschnitzereien aus dem Hause Sauermann.

Weiter geht es auf den Spuren Sauermanns zu seiner späteren Wirkungsstätte, dem Museumsberg. Sauermann lag das Bewahren kunstgewerblicher Arbeiten sehr am Herzen, was in seiner privaten Sammlung Ausdruck fand. Im Jahr 1903 wurde schließlich im Stile der niederländischen Renaissance ein Gebäude auf dem Museumsberg errichtet, in das neben der Schule mit ihren Lehrräumen und Werkstätten auch Sauermanns frühere, mittlerweile im Besitz der Stadt Flensburg befindliche, kunstgewerbliche Sammlung einzog. Sauermann wurde der erste Museumsdirektor. Heute beherbergt das inzwischen nach dem Museumsgründer benannte Haus Kunst- und Kulturgeschichte vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Im Hans-Christiansen-Haus des Museumbergs kann zudem das „Pariser Zimmer“ besichtigt werden. Sauermann entwarf das im Stil des Historismus gestaltete Prunkzimmer für die Weltausstellung 1900 in Paris. „Hierfür wurde er mit 3 Goldmedaillen ausgezeichnet“, erklärt Dörte Hansen. 

Zum Zeitpunkt der Museumsgründung wohnte Sauermann noch mit seiner Frau im Südergraben. Es war aber sein Wunsch, in direkter Nähe des Museums und der Werkstattschule zu leben – hierfür errichtete er zunächst 1901 das sogenannte Gartenhaus in der Friedrichstraße, im Jahr 1903 schließlich eine Villa im englisch-niederländischen Stil direkt daneben. Allerdings zog er selbst nicht in dieses Haus ein – aber sein Sohn Ernst, der nach dem Tod Sauermanns 1904 für mehrere Jahre Museumsdirektor und kommissarischer Leiter der Fachschule war. An einem Relief am Eingangsportal der Villa lässt sich so wie auch an seinem Wohnhaus im Südergraben der Bezug zu Heinrich Sauermann erkennen.

Vom Ausflug in die Vergangenheit geht es zurück in die Gegenwart, denn das Schnitzen von damals gibt es noch heute: Zum Ende der Tour wartet Dörte Hansen mit einem besonderen Highlight auf – nach dem Einblick in das Leben und Wirken Sauermanns in Flensburg können die Teilnehmer sich bei einem Abstecher zur Schützenkuhle selbst ein Bild von der heutigen Holzbildhauereikunst machen. Nur wenige hundert Meter vom ursprünglichen Standort der Werkstattschule entfernt befindet sich die Berufsfachschule für Holzbildhauerei des RBZ Eckener-Schule, deren Ursprünge sich auf Sauermanns Werkstattschule zurückführen lassen. An dem Standort in der Schützenkuhle 20-24 wird neben der dreijährigen Ausbildung zum Holzbildhauer bzw. zur Holzbildhauerin die Weiterbildung zum/zur staatl. geprüften Techniker/in in verschiedenen Fachrichtungen an der Fachschule für Technik und Gestaltung (FSTuG) angeboten. 

Eine Besonderheit im Bereich der Holzbildhauerei ist der jährliche Wettbewerb der Sauermann-Stiftung: die besten Arbeiten der Schüler und Schülerinnen der Abschlussklasse zu einem vorgegebenen Thema, in diesem Jahr „Schifffahrt“, werden mit dem Heinrich-Sauermann-Preis ausgezeichnet. Die Stiftung wurde 2006 von Dr. Telse Sauermann, Enkelin Heinrich Sauermanns aus dem Nachlass ihrer Schwester Gerda, ins Leben gerufen. Ziele der Stiftung sind, die Bewohnerinnen und Bewohner des Hospitals und Klosters „Zum Heiligen Stift“ in Flensburg zu unterstützen sowie Schülerinnen und Schüler der „Werkkunstschule“, heute Fachschule für Technik und Gestaltung sowie Berufsfachschule Holzbildhauerei, für besondere Leistungen zu würdigen.  

Nächste Heinrich-Sauermann-Führungen (im Rahmen des Weltgästeführertages kostenlos – Spende an den Förderverein der Schule erbeten zur Unterstützung für besondere Projekte) mit Besichtigung der Berufsfachschule für Holzbildhauerei: Freitag, den 23. Februar, jeweils 11 Uhr, Dauer ca. 1,5 Std. (leider schon ausgebucht, weitere Termin folgen).

 

Pressemitteilung/Autorin: Birte Carstensen, Foto: Birte Carstensen