Glücksburg (ftb) – Das Thema „Zukunft der Stadtbücherei Glücksburg“ findet sich erneut auf der Agenda der Stadtvertretersitzungen wieder. Die Arbeitsgemeinschaft Haushaltskonsolidierung legte in der letzten Sozial- und Kulturausschusssitzung einen Beschlussantrag vor, in dem die Bücherei mit einem Medienangebot für Kinder in die Grundschule verlegt werden soll. Der Sozial- und Kulturausschuss stimmte dem Beschlussantrag nicht zu. Anstelle dessen formulierte der Ausschuss einen neuen Antrag, der Lösungswege für die künftige Nutzung des sanierungsbedürftigen Bahnhofsgebäudes aufzeigen soll, in dem sich die Bücherei derzeit befindet.

Ein Runder Tisch soll innerhalb der kommenden sechs Wochen Nutzungsvorschläge liefern. „Ich hoffe, dass die zwei Punkte, Bücherei und ZOB Gebäude, getrennt behandelt werden“, berichtet die Bürgermeisterin Kristina Franke. Eine Sanierung des Gebäudes würden umschlägig eine Million Euro kosten. Auch bei einer Einwerbung von Fördergeldern wäre in der Regel ein prozentualer Eigenanteil gefordert, so die Bürgermeisterin. Es gebe weder einen beschlossenen Haushalt für 2016, noch frei verfügbare Gelder. Die Stadt Glücksburg muss der Kommunalaufsicht einen Kurs zur Haushaltskonsolidierung vorlegen. In der Zeit knapper Kassen sei haushalterisch die Unterhaltung einer Bücherei eine freiwillige Leistung. „Es wäre ein großer Verlust, wenn die Bücherei aufgeben werden muss“, so Kristina Franke. Sie könne die Ängste und Wünsche der Bürger absolut verstehen. Im Gegensatz zu den harten finanziellen Fakten liegt die Hoffnung nun auf den Mitgliedern des Runden Tisches.

 

Aktuell hat das Landeskabinett dem von Kulturministerin Spoorendonk vorgelegten Entwurf für ein Bibliotheksgesetz zugestimmt. Das Gesetz dient der Regelung des bestehenden Bibliothekssystems und definiert die bestehenden Aufgaben als Bildungs- und Kultureinrichtungen. „Wir wollen mit diesem Gesetz die Struktur des Bibliothekswesens weiter absichern und zugleich eine Grundlage für die Weiterentwicklung des Systems liefern. (...) In der durchgeführten Anhörung wurde der Gesetzentwurf in der Fachwelt grundsätzlich als beispielhaft gelobt“, betonte Spoorendonk.

In der Präambel heißt es, dass die Bibliotheken in besonderer Weise das Grundrecht gewährleisten, sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert unterrichten zu können. "Bibliotheken sind Partner für Bildung, Kultur, Wissenschaft und lebenslanges Lernen. Sie zählen damit zum Kernbereich der öffentlichen Daseinsvorsorge. Sie sind Standortfaktor und im Rahmen der Sozialraum- und Stadtentwicklungsplanung sowie bei Maßnahmen zur Förderung digitaler Infrastruktur und digitaler Angebote im Bereich von Bildung und Kultur zu berücksichtigen. Bibliotheken gehören neben den Schulen und Hochschulen zu den wichtigsten Bildungseinrichtungen des Landes und bilden in ihrer Gesamtheit einen herausragenden Bestandteil der kulturellen Infrastruktur in Schleswig-Holstein. Dieses Gesetz soll die bibliothekarische Grundversorgung in Schleswig-Holstein und damit den bedarfsgerechten und bürgerorientierten Erhalt und Ausbau der Bibliotheken, wie im Landesentwicklungsplan vorgesehen, sicherstellen. Es konkretisiert die besondere Bedeutung der Bibliotheken in Schleswig-Holstein für die Pflege von Bildung, Kultur und Wissenschaft, die Verwirklichung von Grundrechten, die demokratische Willensbildung und für das Miteinander von Kulturen. Das Gesetz betont die Stellung der Bibliotheken in der digitalen Gesellschaft als unverzichtbare Partner für die kulturelle Bildung. Die Bibliotheken im Land sind nach Maßgabe dieses Gesetzes angehalten, untereinander und mit anderen Einrichtungen der Bildung, Kultur und Wissenschaft  – auch im Hinblick auf zukunftsorientierte Ansprüche und Handlungsfelder wie Integration, Digitalisierung und Inklusion – zu kooperieren. Dies gilt auch für ihre Träger im Rahmen einer interkommunalen Zusammenarbeit."

Das „Gesetz für die Bibliotheken in Schleswig-Holstein und zur Änderung des Landespressegesetzes“ wird nun dem Landtag zugeleitet.

 

Hintergrund “Motzko-Konzept“
Der abgelehnte Beschlussantrag der AG Haushaltskonsolidierung beruht auf dem sogenannten „Motzko-Konzept“. Im September 2013 hat die Stadtvertretung das sogenannte „Motzko-Konzept“ zustimmend zur Kenntnis genommen. Das Konzept definiert für die Glücksburger Bücherei folgende Kernaufgaben: 
- Unterstützung bei der Vermittlung von Sprachkompetenz 
- Unterstützung zur Vermittlung von Lesekompetenz 
- Vermittlung von Recherchekompetenz 
- Vermittlung von kritischer Medienkompetenz 
Zielgruppen im Rahmen dieser Kernaufgaben sollen Kinder und deren Familien im Alter von 0 bis 11 Jahren sein. Die Arbeitsgemeinschaft Haushaltskonsolidierung schlug vor, dass die Bücherei dann von einem Verein bzw. durch ehrenamtliche Kräfte geführt würde.

 

Quelle: Bibliotheksgesetz http://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/K/kulturpolitik/Downloads/bibliotheksgesetz.html, Ministerium für Justiz, Kultur und Europa.