Flensburg (pm) - „Potsdam“ rief Andreas Gamper in die Runde, als nach der längsten Anreise zur diesjährigen „Tour de Flens“ gefragt wurde. Mit einem Lade-Stop in Rostock war er mit dem Renault Zoe des E-Carsharing-Vereins Potsdam nach Sonderborg gefahren. Doch just in dem Moment platzten noch zwei Überraschungsgäste in die Eröffnungsveranstaltung der E-Mobil-Informationsfahrt und belegten, dass Reichweitenprobleme längst lösbar sind: Jan-Peter Kessler war mit seinem Tesla ganz spontan aus der Schweiz in den echten Norden gekommen, um für den Umstieg auf klimafreundlichere Mobilität zu werben.

Mit fünfzig Fahrzeugen und achtzig Passagieren wurde bei der "Tour de Flens 2017" nicht nur quantitativ ein neuer Teilnahmerekord erreicht, auch die Palette der Fahrzeuge und Mitwirkenden war einzigartig. Im elektrischen Serien-BMW war Mitfahren ebenso erwünscht wie im selbst umgerüsteten Golf, Porsche 911 und fünfzehn weiteren Fahrzeug-Typen.

Trotzdem mussten aufgrund deutlich erhöhter Akku-Kapazitäten weniger Fahrzeuge beim Start in Sonderborg und bei der Ankunft in Glücksburg geladen werden als noch vor einigen Jahren. „Wir brauchen eine Energiewende auch im Verkehrsbereich und hier sehen wir, dass sie technisch möglich ist, wenn wir wollen.“, waren sich der Geschäftsführer von Project Zero Sonderborg, Peter Rathje, und Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Robert Habeck bei ihren Grussworten einig.

Begrüsst wurde das Teilnehmerfeld bei Sonderborg Forsyning, den Sonderborger Versorgungsbetrieben, zudem von den kommunalen Spitzen aller beteiligten Städte: Sonderborgs Bürgermeister Lauritzen, Simone Lange, Flensburgs Oberbürgermeisterin und die Bürgervorsteherin Dagmar Jonas aus Glücksburg freuten sich gemeinsam über das Grenzen überwindende Event, das zu einem fruchtbaren Wettbewerb der Ideen geworden ist, wie Werner Kiwitt, Geschäftsführer der artefact gGmbH für globales Lernen und lokales Handeln und Initiator der "Tour de Flens", betonte: „Der Austausch untereinander soll zu besser abgestimmten Initiativen etwa bei Ladesäulen beitragen, aber auch zu besserer Akzeptanz und Bürgerbeteiligung.“ 

So luden Dorpsmobil- Gründer aus Klixbüll und Sprakebüll ebenso zur Mitfahrt ein wie Ferienhausbetreiber aus Gelting und Nordstrand, die erfolgreich E-Fahrzeuge an Urlaubsgäste vermieten. Der mit bunten Wimpeln ausgestattete Fahrzeug-Konvoi von mehreren hundert Metern sorgte bei den Fahrten durch die Innenstädte ebenso für Aufsehen wie an den Zwischenstopps wie der Dübbeler Windmühle und bei Annie und Fjordperle in Sonderhav, wo ein lukullischer Hotdog-Vergleich  anstand. Beim nächsten Stop in Padborg erfuhren die Teilnehmer von Bjarne Hermansen, wie die dortige Wärmegenossenschaft seit einem Jahr ein Solarkollektorfeld von der Größe dreier Fußballfelder betreibt, um hunderte Haushalte im Sommerhalbjahr mit Warmwasser zu versorgen.

Am CITTI PARK Flensburg wurde der Konvoi bereits beim E-Mobilitätsmarkt von Henning Brüggemann, dem Flensburger Klimapakt-Vorsitzenden, und der Bundestagsabgeordneten Sütterlin-Waack erwartet. Drei Tage lang stellten dort Autohäuser neueste E-Fahrzeuge aus und luden zu Probefahrten ein.

Die nächste Etappe führte bei bestem Frühlingswetter zur Glücksburger Promenade in Sandwig. Das Strandhotel hatte dort zwei Ladesäulen für Tesla und andere E-Fahrzeuge in Betrieb genommen, was nicht nur Felix Callsen-Bracker von gp joule in einem von fünf mitfahrenden Teslas erfreute, sondern auch Schleswig-Holsteins Finanzministerin Monika Heinold, die kurz auf die Förderprogramme des Landes und Bundes zu öffentlichen Ladesäulen einging.

Der nächste Zwischenstop war auch für Insider Neuland: Ralf Naumann von enerparc stellte den Teilnehmern die große Photovoltaik-Anlage vor, die seit 2016 auf einem ehemaligen Deponie-Standort hinter dem städtischen Bauhof in Betrieb ist. Abschließend konnte Werner Kiwitt zusammen mit Jan Obernauer aus Ladelund eine weitere Ladesäule auf dem artefact-Gelände einweihen, die mit 22 KW und Typ 2-Stecker eine willkommene Ergänzung zu der ersten Ladesäule ist, die bereits vor zehn Jahren für die Übernachtungs- und Tagesgäste installiert wurde. In diesem Sommer steht den artefact-Gästen auch erstmals ein elektrisches Leihfahrzeug zur Verfügung.

Mit Skol und Prost wurde danach der fachliche Austausch beim after-tour-Flens am Grill und mit musikalischer Begleitung des Liedermachers Richardt Nielsen fortgesetzt, bis mit aufgeladenen Akkus der Heimweg angetreten werden konnte.  Erfahrene und Erstmals-E-Fahrer waren sich einig, dass die Elektromobilität kurz vor dem Durchbruch steht. Ideen und Ziele für die nächste "Tour- de-Flens.eu" werden schon gesammelt...

 

 

Pressemitteilung: Werner Kiwitt, artefact, Foto: Tour-de-Flens-Teilnehmer auf Dübbel (Brandhorst), artefact